ERFAHRUNGSBERICHTE

Kippeln macht glücklich
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Was Eltern im Mobikurs ihrer Kinder lernen ...
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WEITERE INFOS

Weitere Infos zu den Mobikursen bekommen Sie unter der E-Mail Adresse
mobikurse@rollikids.de

Was Eltern im Mobikurs ihrer Kinder lernen ...

Ein Mobikursbericht aus Elternperspektive

Jetzt sitzt's: Gut ein Dutzend Männer und Frauen haben gerade das Kippeln gelernt und wiegen sich in ihren Rollstühlen zufrieden in der Sporthalle des Stephanuswerks in Isny hin und her. Willkommen beim Mobilitäts- und Rollstuhltraingskurs des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands (DRS) und der Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus (ASBH). Doch die Erwachsenen sind nicht die Hauptakteure der Veranstaltung und viele von ihnen hatten bislang nur wenig eigene Erfahrung im Rollstuhl. Der Kurs über Pfingsten 2009 richtete sich an Kinder und Jugendliche mit Querschnittslähmung oder anderen Behinderungen, die mit ihren Eltern zusammen für sechs Tage in das idyllische Allgäu gereist waren, um im Alltag leichter zurechtzukommen.

Auf dem Programm stand vormittags Sport, bei dem die Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren lernten, ihren Rollstuhl besser zu nutzen. Einige begannen gerade erst, sich mit dem Gerät anzufreunden, andere fuhren schon seit Jahren, wollten aber mehr können. Während die Kleinen im Turnsaal des Hotels bleiben konnten, war für die Größeren bereits der Weg zur größeren Turnhalle eine erste Herausforderung. Sie mussten den steilen Weg vom Tagungshotel des Stephanuswerks dorthin meistern - das bedeutete die richtigen Bremstechniken üben, Serpentinen fahren und auch die Furcht zu bewältigen. Geschafft haben es schließlich alle auf ihre Art, schließlich gab es die Übungsleiter im Rollstuhl als Vorbilder, die mit Geduld und Erfahrung vormachten, wie der Berg zu bewältigen war. Am Nachmittag war Schwimmen im Hoteleignen Pool angesagt und auch hier gelang es vielen, die Scheu zu überwinden, sich mehr und mehr von den Schwimmhilfen zu verabschieden und schließlich alleine zu schwimmen.

Während sich die Kinder im Wasser vergnügten, mussten die Eltern ran und lernten das, was ihre Kinder entweder schon konnten oder gerade gelernt hatten: Rollstuhl fahren, Kippeln und auch einmal zu fallen. Und sie konnten auch die Erfahrung machen, wie es ist, geschoben zu werden- und das nicht immer nur rücksichtsvoll.

Überhaupt war Erfahrungen machen und Erfahrungen austauschen sicherlich das, was die Tage in Isny für die Eltern so wertvoll machten - die Kinder hatten ohnehin ihren Spaß. Neben der Freude zu sehen, wie sich das eigene Kind zunehmend sicherer und selbstbewusster im Rollstuhl bewegte, bot das Training einen Freiraum vom Alltag, in dem unbekümmert mit anderen Eltern die Themen an- und ausgesprochen werden konnten, die Familien mit behinderten Angehörigen bewegen. Informations- und Gesprächsrunden am Abend gaben weitere ganz praktische Anstöße und Ratschläge - sei es, dass die Grundlagen der Rollstuhlversorgung endlich einmal ausführlich erläutert wurde oder aber Ansprüche an die Krankenkassen klargestellt wurden.

Die Kurse sind zweifelsohne eine große Hilfe für jedes Kind im Rollstuhl und eine Bereicherung für die Eltern. Doch sie sind nicht billig und die Kassen übernehmen zumeist nur noch die Hälfte der Kosten. Bei einem Preis von gut 800 Euro bleibt da plus Anfahrt eine ziemliche Belastung - eine zusätzliche Begleitperson schlug in Isny auch noch einmal mit 240 Euro zu Buche. Erste Kurse mussten mangels ausreichender Teilnehmerzahlen schon ausfallen. Ein Jammer, doch zumindest von denjenigen, die in Isny dabei waren, wollen viele wiederkommen.

Autor: Sascha Pajevic